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Rückblick 2021

Wertschöpfung 2021: Kreislauf statt Einbahnstrasse

Von der metaphorischen «Einbahnstrasse» hin zum
Kreislauf mit Wertschöpfung an allen Touchpoints:
das ist der Anspruch, den der VNL an die logistischen
Systeme der Zukunft stellt – und dem auch das diesjährige Logistik-Forum Schweiz folgte.


Obwohl die Tagung auf Grund der Pandemie virtuell
stattfinden musste, meldeten sich mehr als 100 Gäste
an – darunter zahlreiche Führungskräfte aus der Industrie, aus dem Handels- und Dienstleistungssektor; mit
Verantwortung für Logistik oder Strategien im Supply
Management. Auch diverse Vertreter öffentlicher und
privater Forschungs- und Bildungseinrichtungen nahmen teil. Was sind die wichtigsten Learnings, die Sie
mitnehmen konnten?


Im Fokus: Langlebigkeit und Recycling
Die Keynote der diesjährigen VNL-Tagung hielt Urs
Grütter
, seines Zeichens Verwaltungsrats-Präsident
und CEO der Stöcklin Logistik AG. Er fasste zusammen,
welche Anstrengungen sein Unternehmen bereits seit
vielen Jahren unternimmt, um langlebige, nachhaltige
Produkte zu fertigen – die Flurfördergeräte, die von
Stöcklin vor vier Dekaden gefertigt wurden, seien etwa
heute noch problemlos reparierbar. Keine «one-way-street» vom Kauf zum Schrottplatz also, sondern ein
Kreislauf mit Service-Stationen nach Bedarf. Clever: Die
Kundenbindung kommt damit von ganz alleine, denn
wessen Maschinen funktionieren oder gewartet werden
können, der kommt nicht in die Versuchung, sich bei
der Konkurrenz umzuschauen.
Aber nicht nur für langlebige Produkte, sondern auch für
ein besseres Grundstoff-Recycling legte Grütter ein überzeugendes Plädoyer ab: Dieses, so der Verwaltungsrat,
beginne nicht erst am Ende einer «Produktbiographie»,
sondern schon bei der Beschaffung. «Welche Materialien
setzt man ein – so, dass man am Ende des Prozesses
möglichst viele einer erneuten Verwertung zuführen
kann?» sei dabei die Leitfrage.


Lidl reduziert CO2-Emissionen
Passend, dass Ueli Rüeger, Logistik-Verantwortlicher
beim Detailhändler Lidl Schweiz, gleich an das Thema
«nachhaltiges Ressourcen-Management» anknüpfte.
Schon seit vielen Jahren, so berichtete er, verfolge Lidl in
der Schweiz ein systematisches CO2-Management; tracke
genau die Emissionen und den eigenen «Fussabdruck»,
um zu reduzieren und zu kompensieren.
Lidl Schweiz habe sich dabei das ambitionierte Ziel
gesetzt, den relativen CO2-Austoss bis 2020 um 35
Prozent gegenüber dem Jahr 2013 zu senken – ein
Meilenstein, der bereits 2019 nicht nur erreicht, sondern
sogar übertroffen wurde. Der CO2-Ausstoss sei etwa
via Strom aus Wasserkraft, Elektrowärmepumpen oder
kürzere Transportwege (dank neuer Logistikzentren) pro
Quadratmeter Filialfläche um 53 Prozent reduziert worden.
Doch damit nicht genug: «Weil natürlich ein Grossteil
unserer CO2-Emissionen aus dem Transportbereich
kommen», hielt Ueli Rüeger fest, «wollen wir bis 2030
alle Filialen fossilfrei beliefern.» Dafür werde aktuell
die gesamte Lastwagenflotte sukzessive auf Flüssiggas
umgerüstet und ein Netz aus Partner-Tankstellen aktiviert.
Die Zuhörerinnen und Zuhörer zeigten sich beeindruckt:
Auch dies ein mutiger, da kostenintensiver, Schritt. Aber
sicher richtig und wichtig für die mittel- bis langfristige
Zukunft.

Wertschöpfung im Kreislauf: Projekt-Potpourri
In den Sessions zum Thema Wertschöpfung im Kreislauf
wurden verschiedenen Projekte präsentiert. Ivo Baldini,
der bei der IG Swiss Plastic Recycling tätig ist, zeigte
etwa den im Kanton Uri realisierten «Kunststoffpark».
Dort werden Haushaltskunststoffe, die in speziellen
Säcken gesammelt werden, zur Wiederverwertung
vorbereitet.
Patrick Vogel, technischer Verkaufsberater Smart Factory
Logistics bei der Firma Bossard AG in Zug, zeigte
auf, wie mit intelligenten Logistiksystemen Prozesse
optimiert werden können – Stichwort Kanban – um
die eigene Produktion effizienter zu gestalten und dabei
die individuellen Wünsche der Kunden optimal zu
berücksichtigen.


VNL: Logistik-Forum Schweiz
«voller Erfolg in schwierigen Zeiten»

Dr. Herbert Ruile, Präsident des VNL, zeigt sich rückblickend sehr zufrieden mit dem Event: «Die Umständewaren recht schwierig, aber gerade daran gemessen
war es beeindruckend, so viele interessierte Gäste bei
unserer virtuellen Tagung begrüssen zu dürfen.» Die
Veranstaltung habe gezeigt: «Wenn wir das volle Potenzial
zirkulärer Systeme nutzen wollen, gibt es noch viel zu
tun.» Aber gleichzeitig sei ersichtlich geworden: «Die
Schweiz hat hervorragende Ideen – und das Potenzial,
um diese zu verwirklichen.»